Der schwedische Batterieproduzent will eine Gigafabrik in Schleswig-Holstein errichten. Allerdings kämpft auch Northvolt mit steigenden Rohstoffpreisen.
Im beschaulichen Heide, rund anderthalb Stunden von Hamburg entfernt, sollen bald Stromspeicher für deutsche Elektroautos entstehen. In der norddeutschen Kleinstadt will der schwedische Batteriehersteller Northvolt seine nächste Gigafabrik bauen.
Mit einer geplanten Kapazität von 60 Gigawattstunden ist die zwar deutlich kleiner als Teslas Gigafactory in Brandenburg. Aber für das skandinavische Start-up ist es immerhin erst die zweite Fabrik in der Größenordnung außerhalb der Heimat. Die Gigafactory im nordschwedischen Skellefteå wurde Ende vergangenen Jahres in Betrieb genommen. Parallel zu der Batteriefabrik in Heide soll auch eine Recycling-Anlage entstehen.
„Für uns war klar, dass der Fokus nach Deutschland geht, weil wir hier sehr viele Kunden, eine hohe Nachfrage und Ingenieurstalent haben“, erklärt Northvolt-CEO Peter Carlsson im Gespräch mit dem Handelsblatt. In Heide habe man zudem eine perfekte Anbindung an die norddeutschen und dänischen Offshore-Windparks sowie die Nordlink-Stromverbindung zu Norwegen. Dass die großen Automobilhersteller ihre Fabriken vorwiegend im Süden des Landes haben, stört Carlsson wenig. Mit Volkswagen, BMW und Volvo hat das Unternehmen bereits Abnahmeverträge.
Ein potenzieller Neukunde könnte nun auch Mercedes werden. Schließlich hat der schwäbische Autokonzern auch ein Werk in Hamburg. „Mit unseren deutschen Kunden ist die geplante Fabrik in Heide schon gut ausgelastet. Aber wir wollen auch zusätzliche Kapazitäten für neue Kunden schaffen, und Mercedes hat ja bereits angekündigt, dass man neben der Partnerschaft mit ACC noch weitere Batterieproduzenten sucht“, sagt Carlsson.
Die Nachfrage nach Elektroautos steigt, doch auch die Batteriehersteller haben aktuell zu kämpfen. Weltweit erreichen die Rohstoffpreise neue Rekordhöhen. Die rasant angezogenen Kurse für Nickel, Mangan, Kobalt und Lithium lassen auch die Kosten bei Northvolt und anderen Produzenten nach oben schnellen. Sinkende Batteriepreise, wie es in den vergangenen zehn Jahren der Fall war, wird es darum zumindest kurzfristig nicht mehr geben.
„Der Krieg hat die Rohstoffpreise noch einmal massiv verteuert, sodass auch wir unsere Preise anheben mussten. Aber das ist nur ein vorübergehendes Phänomen“, beschwichtigt Carlsson. Langfristig, verspricht der ehemalige Tesla-Manager, werden auch die Preise wieder sinken. Wie lange die aktuelle Phase dauern werde, könne er allerdings nicht sagen.
Batteriepreis um 29 Prozent gestiegen
Für eine durchschnittliche Nickel-Kobalt-Mangan-Batterie (NCM) sind die Kosten innerhalb von nur einem Jahr insgesamt um 29 Prozent gestiegen. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Beratungsunternehmens Roland Berger, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen. Bei den vor allem von Tesla gehypten Lithium-Eisenphosphat-Akkus sind die Kosten sogar um 41 Prozent gestiegen. Rohstoffe machen mit knapp 30 Prozent den größten Teil der Batteriekosten aus.
„In der aktuellen Lage sorgen die gestiegenen Rohstoffkosten auch für einen deutlichen Preisanstieg für E-Autobatterien“, erklärt Autoexperte Wolfgang Bernhart von Roland Berger. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine verschärfe das Problem nun zusätzlich. Schon die Spekulationen auf Engpässe bei den Lieferungen aus Russland zeigen Wirkung: Der Nickel-Preis stieg an der Londoner Metallbörse (LME) erstmals über die Marke von 100.000 Dollar je Tonne und hat sich damit mehr als verdoppelt.
Später fiel der Kurs zurück auf rund 48.200 Dollar je Tonne, liegt damit aber trotzdem fast dreimal so hoch wie noch vor einem Monat. „Schon vor dem Ukrainekrieg sind die Rohstoffpreise massiv gestiegen“, sagt Bernhart. So zum Beispiel bei einem der wichtigsten Rohstoffe für die Batterieproduktion: Lithium. Allein innerhalb der vergangenen drei Monate legte das „weiße Gold“ auf über 67.550 US-Dollar je Tonne Lithium-Hydroxid zu. Ein Preisanstieg um mehr als 100 Prozent.
Über eine sogenannte „Preisgleitklausel“ wirken sich die hohen Börsenkurse auch auf Preise für bestehende Verträge aus. Der Hochlauf der Elektromobilität sei deswegen zwar nicht gefährdet, meint Bernhart: „Den langfristigen Trend hin zur E-Mobilität wird das nicht beeinflussen, aber es könnte ihn kurzfristig verzögern.“ Bei den Neuzulassungen im Februar führen Elektroautos weiterhin die Statistik an. Im Vergleich zum Vorjahresmonat kommen sie auf ein Plus von über 28 Prozent. Und damit auf einen Gesamtmarktanteil von 11,3 Prozent.
Kurzfristige Abkühlung des E-Autobooms
Aber auch Northvolt-CEO Carlsson rechnet mit einer kurzfristigen „Abkühlung“ des E-Auto-Booms. Man sehe aber, „dass die Nachfrage ungebrochen stark ist“, betont der Manager. Deswegen wollen die Schweden jetzt auch um die vier Milliarden Euro in die neue Gigafabrik in Deutschland investieren.
Unterstützung kommt dabei auch von der Bundesregierung. Wie hoch der Betrag genau sein wird, könne man aber noch nicht sagen. Tesla-Chef Elon Musk hatte für seine 100-Gigawattstunden-Fabrik in der Nähe von Berlin mehr als eine Milliarde Euro vom Bund erhalten. So oder so werde man „noch eine Finanzierungsrunde für den Bau der Fabrik in Heide machen“, kündigt Carlsson an.
2025 sollen die ersten Batterien in Heide vom Band laufen. Damit verfolgt Northvolt einen ähnlich ambitionierten Plan wie Tesla. Der US-amerikanische Autohersteller hatte seine Fabrik in Brandenburg innerhalb von nur zwei Jahren fertiggestellt.
Seit seiner Gründung 2016 hat Northvolt bereits sechs Milliarden US-Dollar eingesammelt. Dafür sind mittlerweile Batteriekapazitäten in Europa von insgesamt 170 Gigawattstunden im Aufbau. Erst im Februar hatte Northvolt Pläne für eine weitere gemeinsame Batteriefabrik in Göteborg mit dem Autobauer Volvo veröffentlicht.
In Schweden plant das Unternehmen außerdem eine 100-Gigawattstunden-Fabrik für Kathodenmaterial. Die nächste Batterieproduktion dürfte allerdings in Nordamerika entstehen. Man schaue sich in den USA derzeit um, so Carlsson.