Forum

Forum-Breadcrumbs - Du bist hier:ForumVirus & Gesundheit: Virus AktuellImpfungen

Impfungen

Seite 1 von 3Nächste
Zitat

Astrazeneca bleibt liegen – Arzt bietet Termine via Ebay-Kleinanzeigen

 

Um den Impfstoff von Astrazeneca nicht verfallen zu lassen, hat ein Hausarzt aus Ostwestfalen einen ungewöhnlichen Weg gewählt. Er bietet Impftermine über Ebay-Kleinanzeigen an.

Es wäre Wahnsinn, den zuverlässigen und wirksamen Impfstoff verkommen zu lassen“, sagte der Allgemeinmediziner und Kardiologe Peter Weitkamp aus Kirchlengern der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Zwei Tage lang habe er nun über die Internet-Plattform Impftermine mit Astrazeneca „zu verschenken“ an Menschen über 60 Jahre angeboten. Er habe 80 bis 90 Impfdosen übrig. Ab der kommenden Woche werde er seine Astrazeneca-Restbestände denen verabreichen, die sich auf sein Inserat hin meldeten. Zuvor hatte die „Neue Westfälische“ über den Mediziner berichtet.

Corona-Impfung: Bald sollen auch die Betriebsärzte ausreichend Impfstoff erhalten

Weitkamp kritisierte, dass die Praxen fast nur noch Astrazeneca erhielten, das gefragte Biontech dagegen an die Impfzentren gehe. Er halte es aus medizinischer Sicht für falsch, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) Astrazeneca weiterhin nur für Menschen über 60 Jahre empfehle. Es gebe zudem auch zahlreiche unter 60-Jährige, die Astrazeneca haben wollten. Laut Bund-Länder-Beschluss müssen sich diese Jüngeren dann an die Praxen wenden; in den Impfzentren wird Astrazenca Menschen unter 60 Jahren nicht mehr gespritzt.

Facebook launcht Tool, das hilft, an Impftermine zu kommen

Astrazeneca habe zu Unrecht ein schlechtes Image, sagte Weitkamp. Das führe dazu, dass viele noch nicht Geimpfte über 60 Jahren nun in die Impfzentren strömten, um sich dort Biontech abzuholen. „Das ist unsolidarisch. Die Alten nehmen den Jungen den Biontech-Impfstoff weg.“ dpa

Zitat

Stress in Hausarztpraxen: Hausärzte über Impf-Ansturm: "Astrazeneca wollen immer weniger haben"

 

Am 7. Juni beginnt für Impfwillige eine neue Zeitrechnung, dann fällt die Priorisierung. Ob sich Gesundheitsminister Jens Spahn mit dieser Ankündigung einen Gefallen getan hat? Persönlich vielleicht, aber den Hausärzten sicher nicht. Die Nachfrage nach einer Impfung ist ebenso groß wie das Enttäuschungspotenzial, denn es ist derzeit nicht genug Vakzin vorhanden.

Zwei erfahrene Hausärzte, die fleißig ihre Patienten impfen und die aktuelle Lage sehr gut beurteilen können, erzählen aus ihrem Alltag. Britta Unger ist Hausärztin in Starnberg bei München und impft gegen Corona seit April. Starnberg ist der Vorzeigelandkreis in Oberbayern – nirgendwo sind bis Ende Mai so viele Impfungen pro 100 Einwohner erfolgt wie dort, was auch an der hohen Dichte an niedergelassenen Ärzten liegt.

Auch Klaus Straßburg von der Hausarztpraxis im Fasanengarten im Münchner Vorort Unterhaching gehört zu den Ärzten, die die Impfzentren unterstützen und in der eigenen Praxis impfen.

Nicht genug mRNA-Impfstoff für die Arztpraxen

„Mit Astrazeneca kann ich mir den Kühlschrank vollmachen“, sagt Straßburg. „Aber den wollen immer weniger haben.“ Dabei ist die Warteliste lang, knapp 450 Personen stehen derzeit drauf. Die Liste ist derzeit allerdings geschlossen, weil außer Astrazeneca nicht genügend Impfstoff geliefert wird. „Ich komme mir vor wie im Restaurant“, klagt Straßburg. „Ich hätte gerne jetzt eine Impfung, aber bitte Biontech (mRNA), weil ich bald in Urlaub fahre.“ Der Hausarzt möchte die Biontech-Dosen aber an Patienten verimpfen, die Astrazeneca laut Stiko-Empfehlung nicht bekommen sollen. „Ich habe einen 85-Jährigen ohne Risikofaktoren, der sich standhaft weigert, Astrazeneca zu nehmen. Dann muss er halt noch warten.“

Seine Starnberger Kollegin Unger ergänzt, dass es „mit den Bestellungen wirklich verrückt sei“. Seit Anfang April habe sie in keiner Woche die gewünschten Mengen erhalten. Dazu komme ein Ablauf, der aus Sicht der Ärzte viele Kompromisse erfordere. „Bis Dienstag 12 Uhr müssen wir den Impfstoff bestellen, ich weiß aber nicht, welchen Hersteller ich bekomme. Das erfahre ich erst am Donnerstag um 19 Uhr. Wir sind einfach zu lange im Ungewissen.“ Wenn die Info kommt, heißt es schnell sein: Freitag und Montag werden Termine mit Patienten ausgemacht, Mittwoch und Freitag wird geimpft.

Normalbetrieb in Praxen wegen Impfung beeinträchtigt

Zu den Alltagsproblemen gehört auch, dass die Praxen nicht alle Patienten zeitnah erreichen, was den Aufwand für das Personal extrem erhöht: „An einem Freitagnachmittag hatten wir 20 Impfwillige angerufen und zwei erreicht“, schildert Straßburg: „Ich verstehe daher die Kolleginnen und Kollegen, die keine Impfangebote machen. Der Praxisbetrieb wird extrem beeinträchtigt.“

Ein kleiner Lichtblick ist, dass die Lagerung vereinfacht wurde: Ungeöffnete Comirnaty-Ampullen, so heißt der Biontech-Wirkstoff, dürfen nach dem Auftauen aus der Ultratiefkühlung bis zu 31 Tage bei Kühlschranktemperatur gelagert werden. Bisher waren es nur fünf.

Durch die extreme Zeitknappheit entstehen Situationen, die gleichzeitig zum Schmunzeln und Kopfschütteln führen. „Als wir die allererste Charge Biontech erhalten haben, war eine Beschreibung auf zwei DIN-A4-Blättern dabei, wie ich den Adobe Reader installiere und dann das leere Blatt Aufkleber selbst bedrucke“, berichtet der Hausarzt. „Bei den ganzen Sicherheitseinstellungen, die wir bei den Praxisrechnern haben, ein schier aussichtsloses Unterfangen. Ich habe nach einer Stunde entnervt aufgegeben.“ Die Aufkleber wurden von Hand beschriftet, rein rechtlich ist die Gültigkeit identisch.

Bei der nächsten Charge waren Aufkleber dabei, allerdings nicht nur sechs pro Flasche, sondern gleich 20. „Damit ist dem Betrug doch Tür und Tor geöffnet. Es gibt genug Impfgegner, die sich freuen, wenn diese Aufkleber in ihre Hände gelangen. Das ist zwar Urkundenfälschung, aber das dürfte nicht alle abschrecken. Deshalb kann ich doch nicht Aufkleber im Überfluss beilegen“, wundert sich Straßburg.

Impfzentren erhalten deutlich mehr als Hausärzte

Sauer stößt dem Hausarzt aus Unterhaching die Aufwandsentschädigung auf. Er zahle drauf. „20 Euro erhalten wir pro Impfung. Wir haben einen Freitag durchgeimpft und die Miet- und Personalkosten einschließlich Steuern gegenübergestellt. Fazit: Wir bringen 300 Euro mit, um impfen zu können.“

Stutzig macht der Kosten-Vergleich zu den Impfzentren, die teilweise sogar mit Callcentern ausgestattet sind. „Das machen wir alles nebenbei noch mit“, sagen die beiden Ärzte unisono. Nun folgen Zahlen, die erstaunen. „Im Impfzentrum fallen Kosten von 200 bis 300 Euro pro Impfwilligem an“, sagt Herr Straßburg nach Gesprächen mit anderen Ärzten. Frau Unger spricht von einer ähnlichen Größenordnung. Die Kosten trägt der Steuerzahler. Natürlich koste die Pandemie Geld, aber hier stimme das Verhältnis nicht, moniert Straßburg.

Auf Nachfrage beim Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege bezüglich dieser Kosten gab es erst mal eine pauschale Antwort: Die Summe von 256 Euro pro Impfung könne nicht nachvollzogen werden, da unklar sei, welche Kosten in die Berechnung einbezogen werden, so die Info aus der Pressestelle. Zuerst hieß es: „Im Monat März 2021 wurden Gesamtkosten in Höhe von 56,3 Mio. € für die 100 Impfzentren der Landkreise und kreisfreien Städten in Bayern geltend gemacht. Diese Kosten beinhalten Personal- und Sachkosten.“

Kosten können nicht exakt zugeordnet werden

Auf die Nachfrage, wie viele Bürgerinnen und Bürger denn durchschnittlich im März in den angesprochenen Impfzentren geimpft wurden, kam als Antwort: „In Bayern wurden im März insgesamt rund 1,14 Millionen Bürger in Impfzentren und von mobilen Teams geimpft.“ Daraus würde sich ein Betrag von knapp 50 Euro pro Impfung ergeben, allerdings hat das Ministerium selber mitgeteilt, dass die Kosten nicht exakt zugeordnet werden können.

„Ich will nicht 50 Euro für eine Impfung, aber 30 bis 40 Euro wären angemessen“, sagt Britta Unger. Wenngleich die Ärzte für Kombi- oder andere Impfungen wie Tetanus nur zwischen 7 und 15 Euro erhalten, seien 20 Euro bei diesem administrativen Aufwand zu wenig.

Denn das Verfahren sei extrem komplex, weil es so viele Variationen gibt, die berücksichtigt werden müssten: Erst- oder Zweitimpfung, unterschiedliche Vakzine, Gründe für die Impfung (beruflich, gesundheitlich, altersbedingt) – all das muss fein säuberlich erfasst werden. Die Osterfeiertage hat die Hausärztin damit verbracht, eine Excelliste für ihre Patienten zu erstellen, um daraus eine entsprechende Priorisierung vornehmen zu können.

Frau Unger wirft dann noch eine weitere Frage auf: „Warum durften wir nicht schon im Januar impfen? Das hätte viel Geld gespart.“ Sie ist davon überzeugt, dass Patienten, die Impfskeptiker sind, viel eher vom Hausarzt überzeugt werden könnten als durch das Impfzentrum.

Impfstoff muss für Zweiimpfungen zurückgestellt werden

Aktuell wundern sich viele Impfwillige, dass einerseits der Gesundheitsminister den Wegfall der Priorisierung ankündigt, andererseits aber nicht genug Impfstoff zur Verfügung steht. Ein Grund dafür sind die vielen Zweitimpfungen, die jetzt nötig sind. „Ich finde es einen Witz, dass jetzt die Überraschung groß ist. Wenn ein Kind geboren wird, geht es auch sechs Jahre später zur Schule. Und nach der Erst- kommt halt zeitnah die Zweitimpfung“, sagt die Ärztin.

Medizinisch ist es bei Biontech ratsam, nach drei bis maximal sechs Wochen die Zweitimpfung vorzunehmen. Bei Astrazeneca kann diese Zeitspanne auf acht bis zwölf Wochen gestreckt werden, eine frühzeitige zweite Dosis – etwa aus „Urlaubsgründen“ nach vier Wochen – reduziert bei Astrazeneca den Schutz deutlich.

Die Verschärfung der Lage durch die Erst- und Zweitimpfungen zeigt sich in der Stimmung. Die Patienten, die einen Termin bekommen und in den Praxen erscheinen, sind fast alle dankbar und freundlich. Aber um geimpft zu werden, wird mittlerweile beinahe alles versucht. Die kranke Oma oder Mutter muss gepflegt werden, das ist die Standardausrede. Straßburg: „Der Druck durch die Patienten ist immens, vor allem, weil fast nur Biontech gewünscht wird.“

Ungeduldige Patienten fordern Aufnahme auf Warteliste

In der Praxis in Unterhaching telefonieren die Sprechstundenhilfen inzwischen überwiegend mit ihren Handys, um Patienten zu erreichen. Die Telefonanlage kapituliert vor dem Ansturm. „Schwierig wird es, wenn es unsachlich wird“, sagt Straßburg. „Eine Patientin kam und sagte, am 7. Juni wird die Priorisierung aufgehoben. Setzen Sie mich schon einmal auf die Liste.“ Auf den Einwand, die aktuelle Liste sei geschlossen, weil die Warteliste so lang sei, kam nur: „Dann machen Sie eben eine zweite Liste auf. Ich muss Ihnen ja wohl nicht erklären, wie man das in Excel macht.“

„Medizinisch ist es nicht verantwortbar, dass ab dem 7. Juni eine freie Wahl der Impfstoffe möglich ist“, zeigt sich die Starnberger Ärztin Unger resolut. Sie hoffe, dass auch andere Hausärzte wie sie denken und handeln. „Wir müssen doch weiterhin schauen, wer eine Impfung dringend benötigt. Es gibt viele Menschen, zum Beispiel im Einzelhandel, die geimpft werden müssen. Wenn die sich infizieren und an einem Tag noch 50 weitere anstecken – das müssen wir unbedingt vermeiden.“

 

Zitat

Ärger um Impfstoff-Verteilung: Länder sauer auf Gesundheitsminister Spahn, weil fast 300.000 Dosen AstraZeneca nicht verimpft wurden

 

Heute morgen um acht Uhr treffen sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und seine Länder-Kollegen zur Videokonferenz. Es wird mal wieder ungemütlich werden für Spahn. Und zwar nicht nur wegen der Betrugsfälle in Corona-Schnelltest-Zentren. Die dubiose Geschäftemacherei war das Aufregen-Thema der vergangenen Tage.

Bei der Videokonferenz geht es auch um die Impfstoff-Verteilung. Sehr zum Ärger der Bundesländer scheint diese Verteilung eher schlecht zu funktionieren. Das geht aus einem Beschluss-Entwurf hervor, der Business Insider vorliegt. Demnach fordern die Länder "den Bund zu mehr Transparenz hinsichtlich der Fragen auf, wieviel Impfstoffe der Firmen Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson der niedergelassenen Ärzteschaft über den pharmazeutischen Großhandel zur Verfügung gestellt werden und wie viele Impfungen im Bereich der Niedergelassenen jeweils erfolgen".

Auch der zweite Punkt des Entwurfes richtet sich gegen den Bund und damit gegen den zuständigen Minister Spahn: Die Länder verlangen, "die von der niedergelassenen Ärzteschaft in einzelnen Ländern nicht abgerufenen Impfstoffdosen an diejenigen Länder zu verteilen, denen der Impfstoff nach Bevölkerungsschlüssel zusteht".

Hintergrund: Die Vergabe des Impfstoffes an die Bundesländer erfolgt nach einem Bevölkerungsschlüssel. Der Impfstoff für die Ärzte wird an den Pharmagroßhandel geliefert. Von dort sollen die Dosen dann an die Praxen weitergegeben werden. Aber genau da gibt es enorme Probleme. In dem Business Insider vorliegenden Papier heißt es: "Der Präsentation „PEI Covid 19 Länderreport“ lässt sich entnehmen, dass sich in KW 19 ein Lagerbestand an 292 tsd. Impfdosen AstraZeneca aufgebaut hat." Im Klartext: Fast 300.000 Dosen wurden in der 19. Kalenderwoche in den Arztpraxen nicht verimpft, blieben in den Lagern des Großhandels liegen.

Dabei handelt es sich ausschließlich um AstraZeneca. Offenbar rufen die Ärzte ihre Kontingente zu diesem Impfstoff – im Gegensatz zu Biotech –nicht ab. Die Länder-Minister fordern nun, dass diese Dosen sofort an die Impfzentren in den jeweiligen Bundesländern gehen. "Es ist nicht akzeptabel, dass Impfstoffkontingente zu Lasten der Bevölkerung in einzelnen Bundesländern nach dem Windhund-Prinzip an Ärztinnen und Ärzte in anderen Ländern verteilt werden", heißt es zur Begründung in dem Beschluss-Entwurf.

Zitat

Terminabsagen von bis zu 40 Prozent: Täglich verzichten Zehntausende auf ihre Impfung – was steckt dahinter?

 

Der Impfkampagne gerät ins Stocken. In mehreren Teilen Deutschlands sinkt die Impfbereitschaft – trotz Delta-Variante.

Rasant breitet sich die Delta-Variante jetzt auch in Deutschland aus. Ihr Anteil hat sich binnen sieben Tagen mehr als verdoppelt. Innerhalb von zwei Wochen kletterte sie zudem laut Mutationsbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) von 3,7 auf 15 Prozent. Dass sie hierzulande die Oberhand gewinnt, gilt als sicher. Die Frage ist nur, wann.

Gegen dieses Grassieren der Delta-Variante setzt die Bundesregierung im Wesentlichen auf ein einziges Rezept: Impfen, Impfen, Impfen. Mit Blick auf die versprochenen Liefermengen rechnet Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) damit, dass „bis Ende Juli/Anfang August wirklich jeder, der möchte auch seine erste Impfung bekommen hat“. Aber es schwingt eine große Sorge mit – „je nach dem, wie hoch die Impfbereitschaft ist“.

Diese Sorge ist nicht unbegründet. Es mehren sich die Anzeichen, dass der Impfmotor tatsächlich ein wenig ins Stottern gerät. Das zeigt eine Tagesspiegel-Umfrage in den Gesundheitsministerien aller 16 Bundesländer zu ausgefallenen Impfterminen. Demnach liegt der Anteil gestrichener Impftermine zwischen einem und sechs ProzentBei deutschlandweit täglich mehr als 800.000 Impfungen fallen also an jedem Tag Zigtausende komplett aus.

Besonders viele Impfschwänzer gibt es offenbar in Mecklenburg-Vorpommern – hier schwanken die Terminabsagen zwischen 15 und 40 Prozent. Für die gibt es auch keine Ersatz-Impfwilligen. Was sind laut Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) die Gründe? Andere Termine bei den Hausärzten – oder aber die Urlaubszeit.

Zum Ferienbeginn zieht sich deshalb noch nicht bundesweit das große Schwänzen durch das Land, es zeigt sich aber eine leichte Tendenz zur Impfbummelei. Zu beobachten ist das etwa in Hessen, Rheinland-Pfalz, Bremen oder Sachsen.

Bundesländer mit vielen abgesagten Impfterminen:

  • Beispiel Hessen: „Aktuell beläuft sich die No-Show-Rate, also die Rate der Termine, die in den Impfzentren schlicht nicht wahrgenommen werden, in ganz Hessen auf rund 20 Prozent“, teilt das Landesgesundheitsministerium dem Tagesspiegel mit. Es werde zwar dafür gesorgt, dass trotz dieser Anzahl an nicht wahrgenommenen Terminen keine Impfstoffe deswegen ungenutzt verworfen werden müssten. Wie viele es genau sind, kann das Ministerium aber nicht beziffern.
  • Beispiel Rheinland-Pfalz: 15 Prozent der Termine werden nicht wahrgenommen. Bis zu sechs Prozent fallen komplett aus.
  • Beispiel Nordrhein-Westfalen: Der Anteil der nicht wahrgenommenen Termine lag laut Kassenärztlicher Vereinigung zuletzt bei sechs Prozent.

Auch in Bremen bewegt sich der Anteil der nicht wahrgenommenen Termine nach Angaben aus dem Haus von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) im „mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich. „Im Vergleich zu den vergangenen Monaten ist eine leichte Zunahme zu beobachten“, schreibt ihre Sprecherin. „Mögliche Ursachen sind sehr wahrscheinlich Doppelbuchungen bei niedergelassenen Ärzt:innen und im Impfzentrum.“

Doch in den Praxen läuft es ebenfalls nicht richtig rund. „Gerade jetzt müssen wir aufpassen, den Schwung nicht zu verlieren“, beklagt Hausärztechef Ulrich Weigeldt. Er warnte vor einer Verlangsamung der Impfkampagne in den bevorstehenden Sommerferien: Dies wäre „fatal“.

Kassenarztchef Andreas Gassen warnt bereits die Bevölkerung vor Leichtsinn: „Die derzeit hohe Impfbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger darf nicht nachlassen. „Wir dürfen nicht sorglos und damit leichtsinnig werden.“ Schließlich besteht auch in den Praxen das Impfbummler-Problem. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung mahnt, wenigstens rechtzeitig abzusagen. „Ansonsten verfallen nicht nur Terminoptionen, sondern unter Umständen müssen wertvolle Impfstoffe vernichtet werden“, schreibt ein KBV-Sprecher dem Tagesspiegel.

Zu einer solchen Situation kann es immer wieder auch in Sachsen kommen. Eine Stichprobe des Deutschen Roten Kreuzes zeigt, dass hier im Juni mehr als elf Prozent der Zweitimpfungen nicht wie geplant stattfanden – 5,5 Prozent fielen komplett aus. Die Impflinge sind trotz gebuchter Zweitimpftermine einfach nicht zu Ihrer Impfung erschienen.

„Wer den zweiten Impftermin ausfallen lässt, gefährdet sich und seine Umgebung, weil die Wahrscheinlichkeit einer Infektion erhöht wird“, warnt Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). „Wer denkt, er kann sich seine zweite Impfung im Herbst holen, wenn es nötig ist, der täuscht sich, denn er ist bis dahin vor allem gegen eine Infektion mit der Delta-Variante relativ ungeschützt.“ Köpping appelliert „eindringlich“ an die Menschen, sich die zweite Impfung geben zu lassen. „Wir dürfen keine Termine ausfallen lassen.“

Die schon fast flehenden Worte haben ihren Grund: Impfskepsis, Verschwörungsdenken und Regierungskritik sind einer repräsentativen Umfrage des Mercator Forums Migration und Demokratie an der Technischen Universität Dresden zufolge in Sachsen stark verbreitet. Der Anteil der impfskeptischen Personen im Freistaat liegt über dem Bundesdurchschnitt, nämlich bei 21 Prozent.

Wesentlich besser sieht die Situation in Hamburg oder in Baden-Württemberg aus. In der Hansestadt können die Verantwortlichen nicht beobachten, dass Impftermine in deutlich zunehmenden Maß ausfallen. Auch im Ländle ist der Anteil abgesagter Impftermine „relativ gering“.

In Niedersachsen liegt die „No-Show-Rate“ bei vier Prozent, eine „wesentliche Steigerung“ sei nicht festzustellen. In Schleswig-Holstein liegt die Quote bei 3,3 Prozent. Als Spitzenreiter bei der Auslastung der Piks-Termine in den Impfzentren erscheint Berlin: Laut Senatsverwaltung wurden zwar 19 Prozent verschoben. Aber nur zwei Prozent sind überhaupt nicht erschienen.

Deutlich höher ist die Quote im Umland. In Brandenburg liegt sie bei fünf Prozent.

Als Gründe vermutet das Gesundheitsministerium:

  • der Wunsch, sich in vertrauter Umgebung vom eigenen Hausarzt impfen zu lassen
  • Sinkende Inzidenzen und Lockerungen der Maßnahmen
  • die Hitzewelle der vergangenen Tage

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) schlägt daher vor, besonders Jugendliche mit niederschwelligen Impfangeboten zu erreichen. „Impfen im Zelt, auf dem Dorfplatz oder im Stadtteil“, schlägt sie im Gespräch mit dieser Zeitung vor. Sie appelliert an die Jüngeren, „die vielleicht denken: „Jetzt ist endlich Partytime.“

 

Zitat

Kinderärzte widersprechen Lauterbach bei Kinder-Impfung

Sollte die Ständige Impfkommission die Empfehlung für Kinder-Impfungen erneuern? Kinderärzte halten dagegen, nachdem Gesundheitsexperte Lauterbach eine entsprechende Forderung gestellt hat.

Kinder- und Jugendärzte haben sich in der Debatte um Risiken durch die Delta-Variante für Kinder hinter die Beurteilung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gestellt. "Diese hat prinzipiell die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren nur bei bestimmten Vorerkrankungen empfohlen", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, der "Rheinischen Post" (Dienstagsausgabe).

 

"Daran ändert nach aktuellem Wissensstand auch die Delta-Variante nichts", sagte der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln der Zeitung. Es bestehe allerdings jederzeit die Möglichkeit für die Familien, gemeinsam mit ihrem Kinderarzt individuell zu einer Entscheidung für oder gegen die Impfung zu kommen, sagte Dötsch.

Lauterbach fordert neue Empfehlung der Stiko

"Ich schätze die Gesundheitsrisiken durch eine Corona-Infektion für Kinder und Jugendliche derzeit als so gering ein, dass auch Abwarten auf neue Erkenntnisse zur Impfung eine Option für zögerliche Menschen sein kann", sagte er. Die Sterblichkeitsrate und Erkrankungsschwere von Kindern und Jugendlichen nach einer Corona-Infektion seien ähnlich niedrig wie bei der saisonalen Grippe. Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass die Delta-Variante das ändere.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte zuvor die Stiko angesichts der starken Ausbreitung der Delta-Variante in vielen Ländern aufgefordert, ihre eingeschränkte Empfehlung für die Corona-Impfung von Kindern zu überdenken. Der Epidemiologe warnte, dass die Durchseuchung der Kinder mit der Delta-Variante zu riskant sei. Die Stiko hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für Zwölf- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas, Diabetes und chronischen Lungenerkrankungen.

Zitat

Corona-Pandemie in Deutschland: Länder planen neue Impfangebote

 

Mehr als 57 Prozent sind in Deutschland mindestens einmal gegen Corona geimpft. Nun lässt der Andrang nach. Mit kreativen Lösungen wollen die Länder auch Unentschlossene von der Impfung überzeugen.

Monatelang waren die Corona-Impfungen mit langen Wartezeiten verbunden. Nun lässt die Nachfrage in Deutschland nach. Um auch noch Unentschlossene für die Impfung zu gewinnen, bereiten mehrere Länder neue, einfachere Angebote vor.

Angedacht sind Aktionen unter anderem auf Parkplätzen, bei Veranstaltungen, in Bürgerhäusern, Kirchen und Moscheen oder in Jobcentern, wie es von zuständigen Ministerien hieß. Ziel sind zusätzliche unkomplizierte Impf-Gelegenheiten ohne größeres Kümmern um Termine in Praxen und Impfzentren – auch dort sind nach monatelangen Wartezeiten jetzt aber häufig leichter Termine zu bekommen, wie es aus mehreren Ländern hieß.

Lauterbach fordert kreative Lösungen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte kreative Lösungen. »Wo die jungen Leute sind, da muss es möglich sein, dass die sich impfen lassen können, mit mobilen Impfteams, ohne jeden Aufwand«, sagte er am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung »Maybrit Illner«. Lauterbach nannte etwa Shishabars und Ausgehmeilen. Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, schlug im Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vor, mobile Impfstellen in Supermärkten und Fußgängerzonen einzurichten.

Bundesweit ist der Ansturm auf Impfungen etwas zurückgegangen. Teils verweisen Behörden auf die begonnene Urlaubszeit oder dass sich viele Entschlossene inzwischen schon impfen ließen. Ein Überblick über einige Ideen, mit denen die Länder Ungeimpfte überzeugen wollen:

In Brandenburg will das Gesundheitsministerium nach dem Ende der Sommerferien eine weitere Impf-Kampagne starten, die sich erstmals an jüngere Leute richten soll. »Wir wollen einen Paradigmenwechsel: Der Impfstoff soll zu den Menschen kommen, nicht wie bislang die Menschen zum Impfstoff«, sagte Ministeriumssprecher Dominik Lenz der Nachrichtenagentur dpa. Ziel seien unkomplizierte Angebote: »Impfen auf Parkplätzen, am Strand und auf Festivals, ohne Termin«, sagte Lenz zu den derzeitigen Überlegungen. Man sei mit den Kommunen im Gespräch.

Hamburg will mobile Teams zu mehreren Aktionen ausrücken lassen, wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde der dpa sagte. Geplant sind ab Ende Juli Impf-Angebote für bis zu 40.000 Sozialleistungsbezieher – Termine sollen wie übliche Beratungstermine direkt mit dem Jobcenter gemacht werden können, die Impfungen laufen dann auch wohnortnah am gewohnten Jobcenter-Standort. Geplant seien parallele Impfangebote in Bürgerhäusern und in weiteren Schritten in Elternschulen, Kirchen oder Moscheen. Ziel sei, durchaus impfbereite Menschen zu erreichen, die bisher aber nicht selbst für Termine initiativ geworden sind.

Vollkommen »spontane« Impfaktionen wie auf Marktplätzen würden in Hamburg derzeit nicht geplant, erläuterte der Sprecher. »Bei unseren Angeboten soll ein würdiger Rahmen bestehen und eine angemessene Anamnese, Aufklärung und Dokumentation erfolgen – insbesondere auch, um die Durchführung der Zweitimpfung sicherzustellen.« Auch Prämien fürs Impfen-Lassen seien derzeit nicht vorgesehen.

In Rheinland-Pfalz wird der Einsatz von Impfbussen erwogen, damit man sich ohne Registrierung etwa auf Marktplätzen oder in Einkaufsstraßen impfen lassen kann. Diese Idee werde zurzeit noch geprüft, sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) am Donnerstag. Zudem werde mit der Bundesagentur für Arbeit und den Tafeln geschaut, welche Aktionen in deren Umfeld möglich seien. Voraussichtlich von kommender Woche an soll man sich auch ein Impfzentrum aussuchen dürfen. Bislang war dies an den Wohnort gekoppelt. Ein Ampelsystem soll bei der Registrierung anzeigen, wie lange man in welchem Zentrum auf Termine warten muss.

In Sachsen-Anhalt werben Landkreise bereits mit unterschiedlichen Aktionen, wie eine Sprecherin des Sozialministeriums sagte – vom Impfen im Einkaufszentrum bis zu verlängerten Öffnungszeiten der Impfzentren oder Impftagen, an denen kein gebuchter Termin notwendig ist.

Das Sozialministerium in Baden-Württemberg erklärte mit Blick auf die Impfzentren: »Wer in letzter Zeit nicht mehr nach Terminen gesucht hat, hat jetzt wieder gute Chancen.« Kommen sollen auch Impfaktionen etwa vor Supermärkten oder an anderen zentralen und gut zugänglichen Orten, wie Minister Manne Lucha (Grüne) der »Stuttgarter Zeitung« und den »Stuttgarter Nachrichten« (Donnerstag) sagte.

150.000 freie Impftermine in Nordrhein-Westfalen

In Schleswig-Holstein gibt es unter anderem bereits Impfangebote an Hochschulen. Mobile Teams impften auch gezielt Erntehelfer, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Bei »Quartiersimpfungen« in Wohnvierteln könnten sich auch Menschen impfen lassen, die es sonst möglicherweise nicht tun würden. Bei sogenannten Open-House-Aktionen kann man sich in einigen Impfzentren auch ohne Termin impfen lassen. Impfungen in Fußgängerzonen sind laut Ministerium derzeit nicht geplant.

Diverse Akteure sollen in Sachsen am 20. Juli zu einem Impfgipfel eingeladen werden. Staatskanzleichef Oliver Schenk (CDU) hält nichts von Restriktionen gegen Impfmuffel, wie er in Dresden sagte. Man wolle vielmehr mit Anreizen arbeiten, das sei vielversprechender. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) untersucht derzeit, wie viele Termine nicht wahrgenommen wurden. Bisher könne das nicht valide beziffert werden, sagte ein Sprecher. Es gebe viele, die Termine umbuchten und sich dann zu einer anderen Zeit oder an anderem Ort impfen ließen. Nach jetzigen Schätzungen verfielen etwa fünf Prozent gebuchter Termine.

In Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in den Impfzentren diese Woche noch 150.000 Termine frei und 212.000 vergeben. »Das heißt, die Menschen haben überhaupt kein Problem, einen Impftermin zu buchen«. Kommende Woche könnten noch mehr als 300.000 Termine vereinbart werden. Auch bei Haus- und Betriebsärzten entspanne sich die Lage. Erstmals bestimme nicht mehr die Verfügbarkeit der Vakzine die Menge der Impfungen.

In Thüringen waren Angebote wie etwa ein spezieller Studierenden-Impftag zuletzt nur verhalten genutzt worden.

 

Zitat

Diese Vorteile haben Geimpfte in Ihrem Bundesland

Mit Corona-Impfung ohne Test zum Konzert oder ins Kino? Mancherorts ist das schon wieder möglich. Doch wie so oft sind die Regeln je nach Bundesland verschieden. Ein Überblick. 

Wer gegen das Coronavirus geimpft ist, soll mit Genesenen und negativ Getesteten gleichgestellt werden. Das bedeutet einige Lockerungen, die aber grundsätzlich erst einmal nicht ausschließlich für Geimpfte gelten sollen.

Doch wieder gibt es Unterschiede in den Bundesländern. Ein aktueller Überblick, wo es welche Vorteile für Geimpfte gibt (Stand: 15. Juli 2021):

Bundesweite Regelung

Bereits seit dem 9. Mai sind auf Bundesebene mehrere Regeln für Geimpfte und Genesene beschlossen worden. Wer vollständig geimpft ist oder nachweislich von Covid-19 genesen ist, erhält folgende Vorteile:

  • Ausnahmen von Kontaktbeschränkungen: Geimpfte und Genesene zählen bei Personengrenzen nicht mehr mit.
  • Ausnahme von Ausgangsbeschränkungen: Gibt es Ausgangsbeschränkungen, gelten diese nicht mehr für Geimpfte oder Genesene.
  • Ausnahme von Beschränkungen beim kontaktlosen Individualsport
  • Zugang ohne Test beispielsweise in Geschäften, Kinos oder beim Friseur
  • Ausnahme von Quarantänepflichten, außer bei der Einreise aus Virusvarianten-Gebieten

Für Geimpfte und Genesene gelten jedoch weiterhin die AHA-Regeln, Maskenpflicht und Abstandsgebote. Zusätzlich zu den bundesweiten Regelungen haben einige Bundesländer weitere Lockerungen für Geimpfte beschlossen:

Baden-Württemberg

Medienberichten zufolge sollen vollständig Geimpfte sowie Genesene in Baden-Württemberg ab Anfang September alle Rechte zurückbekommen. Alle Corona-Einschränkungen sollen dann für sie entfallen. Für Nicht-Geimpfte soll vielerorts eine Testpflicht gelten, die dann entfällt, wenn sie aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden und ein Attest vorlegen können. Über die Maskenpflicht muss noch entschieden werden.

Bayern

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will künftig Anreize für Geimpfte setzen. So sollen in Bayern Clubs und Diskotheken erst im Herbst wieder öffnen und dann auch nur für vollständig Geimpfte. Zudem sollen Geimpfte dann nicht mehr bei der erlaubten Zuschauerzahl für Kultur- und Sportveranstaltungen mitgerechnet werden.

 

Berlin

In Berlin erhalten Geimpfte und Genesene verschiedene Grundrechte zurück. Sie werden von der Testpflicht befreit, sofern ein Test als Zugangsvoraussetzung für ein Angebot gilt. Bei Kontaktbeschränkungen werden sie nicht mitgezählt und unter bestimmten Voraussetzungen von Quarantänepflichten befreit.

Brandenburg

In Brandenburg gelten grundsätzlich die Erleichterungen für Geimpfte, die auch auf Bundesebene gelten. Zusätzliche Vorteile wurden bisher nicht beschlossen.

Bremen

In Bremen gelten die bundesweiten Regelungen, darüber hinaus ist bisher keine Entscheidung für Geimpfte bekannt. Allerdings wird auch hier über die Abschaffung aller Einschränkungen für Geimpfte diskutiert.

Hamburg

In Hamburg gelten die bundesweiten Regelungen, darüber hinaus ist bisher keine Entscheidung für Geimpfte bekannt. Die Hamburger CDU hat sich jedoch ebenfalls für die Aufhebung der Corona-Auflagen für Geimpfte ausgesprochen, sobald allen Einwohnern ein Impfangebot gemacht wurde.

Hessen

In Hessen gibt es für Geimpfte und Genesene keine Kontaktbeschränkungen mehr, unabhängig davon, wie hoch die Inzidenz ist. Bei Treffen mit Ungeimpften werden Geimpfte und Genesene zudem nicht mitgezählt.

Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern gelten die bundesweiten Regelungen. Geimpfte und Genesene brauchen demnach auch keinen Test mehr, wenn sie beispielsweise Fahrschulen oder Musikschulen besuchen. Gleiches gilt für den Besuch in Alten- und Pflegeheimen.

Niedersachsen

Es gelten die bundesweiten Regelungen. Wer seit mindestens zwei Wochen vollständig geimpft ist, unterliegt in Niedersachsen in bestimmten Situationen keiner Testpflicht mehr. Demnach können Geimpfte auch ohne Test Alten- und Pflegeheime, Friseure oder Kosmetikstudios besuchen. Zudem entfallen Hygieneregeln, wenn alle Teilnehmer einer Veranstaltung vollständig geimpft oder genesen sind.

 

Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen gelten die bundesweiten Regelungen. Generell gilt in NRW, dass vollständig Geimpfte und Genesene mit negativ Getesteten gleichgestellt werden. Überall dort, wo es Personenobergrenzen gibt, werden Geimpfte und Genesene nicht mitgezählt.

Rheinland-Pfalz

Auch in Rheinland-Pfalz gelten die bundesweiten Corona-Regeln für Geimpfte. Zudem gilt bei vielen Veranstaltungen und Einrichtungen die sogenannte "3-G-Regel": Zutritt haben Geimpfte, Genesene oder Getestete.

Saarland

Im Saarland gelten die bundesweiten Regelungen, darüber hinaus entfällt beispielsweise grundsätzlich die Testpflicht für vollständig Geimpfte. Die Maskenpflicht sowie Abstandsregelungen bleiben weiterhin.

Sachsen

In Sachsen gelten die bundesweiten Regelungen, darüber hinaus ist bisher keine Entscheidung für Geimpfte bekannt.

Sachsen-Anhalt

Vollständig Geimpfte haben in Sachsen-Anhalt die gleichen Rechte wie auf Bundesebene. Darüber hinaus wurde bisher nichts verkündet.

Schleswig-Holstein

Auch in Schleswig-Holstein gelten die bundesweiten Regelungen. Bei privaten Feiern und Treffen zählen Geimpfte und Genesene nicht mit. Bei öffentlichen Veranstaltungen wie Märkten oder Sitzungen, Konzerten oder Gottesdiensten werden sie jedoch weiterhin mitgezählt.

Thüringen

In Thüringen gelten ebenfalls die Regelungen der Bundesregierung. Beispielsweise entfällt für Genesene und Geimpfte die Testpflicht und die Quarantänepflicht außer in Ausnahmefällen wie bei der Rückreise aus einem Virusvarianten-Gebiet.

 

Zitat

Diese Nebenwirkungen nach Corona-Impfungen traten bisher auf

Viele Menschen beschäftigt die Frage, welche Impfreaktionen bei den Covid-19-Impfstoffen üblich sind – und welche seltenen Nebenwirkungen bisher gemeldet wurden. Das Paul-Ehrlich-Institut hat nun neue Zahlen veröffentlicht.

In Deutschland überwacht das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Sicherheit von Impfstoffen und Arzneimitteln. Dazu sammelt und bewertet die Abteilung Arzneimittelsicherheit Meldungen zu unerwünschten Effekten. Regelmäßig werden Sicherheitsberichte veröffentlicht, die auch alle in Deutschland gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen in Zusammenhang mit Covid-19-Impfungen enthalten.

Bis zum 30. Juni wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 74,8 Millionen Impfungen in Deutschland durchgeführt, bis zum 16. Juli waren es sogar bereits mehr als 84 Millionen Dosen. Der bislang am häufigsten verabreichte Impfstoff ist BNT162b2 von Biontech/Pfizer. Dahinter folgen der Vektorvirenimpfstoff von Astrazeneca, das Moderna-Vakzin und das Mittel von Johnson & Johnson.

Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen nehmen mit dem Fortschreiten der Impfkampagne zu, wie der aktuelle Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts zeigt: Das PEI listet darin 106.835 solcher Verdachtsfälle, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen. 10.578 davon wurden als schwerwiegend eingestuft. Als schwerwiegende Reaktionen gelten laut PEI solche, bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden oder Reaktionen, die als medizinisch bedeutsam eingeordnet wurden.

Die zehn häufigsten Nebenwirkungen der Corona-Impfung

Bei den derzeit verimpften Corona-Wirkstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson wurden unterschiedliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen gemeldet. Nach Angaben des PEI handelt es sich dabei vor allem um "vorübergehende Lokalreaktionen und Allgemeinreaktionen", die bereits in klinischen Untersuchungen aufgefallen sind. Sie seien harmlos und nicht mit schwereren oder länger andauernden Erkrankungen verbunden.

Zu den zehn häufigsten Impfreaktionen bei allen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen gehören demnach:

  1. Schmerzen an der Einstichstelle
  2. Müdigkeit
  3. Kopfschmerzen
  4. Örtliche Reaktion an der Impfstelle
  5. Fieber
  6. Muskelschmerzen
  7. Schüttelfrost
  8. Schwindelgefühl
  9. Grippeähnliche Erkrankung
  10. Unwohlsein

Welches Mittel verursacht am häufigsten Nebenwirkungen?

Die prozentual meisten Meldungen zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung erhält das Paul-Ehrlich-Institut bisher zum Mittel von Astrazeneca. Das zeigt die folgende Tabelle, die sich auf Daten bis zum 30. Juni stützt:

Fälle pro 1.000 Impfungen Durchschnitt Biontech/Pfizer Moderna Astrazeneca Johnson & Johnson
insgesamt 1,4 0,9 2,2 3,4 1,6
schwerwiegend 0,1 0,1 0,1 0,3 0,1

Bei Impfungen mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca soll es vor allem häufiger zu Fieber, Schüttelfrost und grippeähnlichen Beschwerden gekommen sein. Allerdings muss das nach Meinung des PEI nicht automatisch bedeuten, dass das Vakzin schlechter verträglich ist als die anderen Corona-Impfstoffe.

Etwa drei Viertel der Verdachtsfallmeldungen betreffen Frauen – für alle Impfstoffe fast gleichermaßen. Das PEI führt das auf den höheren Frauenanteil bei den Impfungen zurück.

Sind geschwollene Lymphknoten ein Grund zur Besorgnis?

Eine Impfung gegen Covid-19 kann Fallberichten zufolge auch zu geschwollenen Lymphknoten unter den Armen führen. Meist treten diese wenige Tage nach der Impfung auf. Doch für Betroffene sind sie im Normalfall kein Grund zur Sorge, so Mediziner. Denn Lymphknotenschwellungen seien genau wie Schmerzen an der Einstichstelle generell häufige Nebenwirkungen von Impfungen und daher keineswegs ungewöhnlich.

Diese Reaktionen zeigen, dass der Körper die Information über den Krankheitserreger, gegen den die Impfung wirken soll, verarbeitet. Das Immunsystem reagiert genau richtig: Es produziert Antikörper, die bei einer möglichen Infektion mit SARS-CoV-2 schützen. Verschwindet der geschwollene Lymphknoten aber nicht nach einiger Zeit von selbst, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Das ist über schwerwiegende Nebenwirkungen bekannt

Auch wenn die häufigsten Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend sind, kommt es in seltenen Fällen auch zu schweren unerwünschten Reaktionen nach der Covid-19-Impfung.

Hirnvenenthrombosen nach Covid-Impfungen

Die Impfungen mit dem Mittel von Astrazeneca waren Mitte März vorübergehend ausgesetzt worden, Ende März wurde das Mittel nur noch für eine bestimmte Altersgruppe empfohlen. Grund dafür sind sogenannte Sinusvenenthrombosen mit begleitender Thrombozytopenie, zum Teil auch mit Blutungen, die in Deutschland und anderen europäischen Ländern sehr selten nach der Impfung mit Astrazeneca beobachtet wurden.

Bis zum Berichtszeitpunkt wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 110 Fälle einer Hirnvenenthrombose berichtet, die nach Impfung mit Astrazeneca auftraten. Nach Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff von J&J wurden sechs Fälle gemeldet, im zeitlichen Zusammenhang mit der Moderna-Impfung ein Fall. Die Betroffenen sind laut PEI vorrangig Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren.

 

Das PEI und die Europäische Arzneimittelagentur Ema haben einen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung und den unerwünschten Reaktionen als möglich angesehen. Dennoch übertreffe der Nutzen des Impfstoffs die möglichen Risiken bei Weitem. Künftig gibt es einen Warnhinweis in der Liste der möglichen Nebenwirkungen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) änderte daraufhin Ende März ihre Impfempfehlung für Deutschland: Astrazeneca und auch Johnson & Johnson sollen nun nur an über 60-jährige Personen verimpft werden. Gleichzeitig wurden die Impfstoffe für alle freigegeben. Wenn sich Jüngere dafür entscheiden, sollen eine ärztliche Aufklärung und individuelle Risikoanalyse stattfinden.

Clarkson-Syndrom: Ema untersucht Astrazeneca-Vakzin

Derzeit untersucht die Europäische Arzneimittelagentur Ema, ob es einen Zusammenhang zwischen der Impfung mit dem Astrazeneca-Wirkstoff und fünf Fällen des Clarkson-Syndroms gibt. Dabei handelt es sich um ein sehr seltenes und wenig erforschtes Phänomen. Wie die Ema ausdrücklich mitteilt, ist ein ursächlicher Zusammenhang noch nicht bestätigt.

In den meisten Fällen leiden die Betroffenen zunächst an Schmerzen im Bereich des Bauches und an Übelkeit. Es können aber auch ernsthafte Komplikationen wie ein Herz-Kreislauf-Kollaps oder eine Niereninsuffizienz folgen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Mehr Anaphylaxie-Fälle nach Impfung mit Biontech

Im Zusammenhang mit den mRNA-Impfstoffen fällt auch immer wieder der Begriff Anaphylaxie. Damit ist eine plötzlich auftretende, starke allergische Reaktion gemeint, die sich auf den ganzen Körper ausbreiten kann. Schuld daran sind bestimmte Antikörper, die das Immunsystem "versehentlich" gegen eigentlich harmlose Substanzen gebildet hat.

In Deutschland sind bis Ende Juni 362 Fälle von Anaphylaxien nach Corona-Impfungen beobachtet worden. Die Mehrheit davon geht auf den Impfstoff von Biontech/Pfizer zurück. Laut Berichten waren in mehreren Fällen jüngere Frauen betroffen.

Laut Robert Koch-Institut liegt die Häufigkeit dieser Nebenwirkung bei allen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen durchschnittlich zwischen 0,4 bis 11,8 pro eine Million Impfungen.

Zu den Anzeichen einer anaphylaktischen Reaktion zählen:

  • Kratzen im Hals
  • Schwellung der Zunge und des Rachens
  • Heiserkeit
  • erschwerte Atmung
  • Hautrötungen

Bei einer milden Form klingen die Beschwerden nach wenigen Stunden oder Tagen ab. Bei ernsten Verläufen können Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Krämpfe oder Atemnot hinzukommen. Im schlimmsten Fall droht ein Kreislaufzusammenbruch mit Todesfolge.

Herzerkrankung nach Impfung weiter unter Beobachtung

Eine weitere Impfnebenwirkung, die das Paul-Ehrlich-Institut genauer betrachtet, ist die Herzmuskelentzündung (Myokarditis). In den vergangenen Wochen erhielt das PEI dazu zunehmend Meldungen. Die berichteten Fälle traten in Übereinstimmung mit anderen, internationalen Daten überwiegend bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 16 Jahren auf.

Myokarditis ist eine Sammelbezeichnung für entzündliche Erkrankungen des Herzmuskels. Unterschieden wird zwischen akuten und chronischen Formen der Herzmuskelentzündung, wobei die akute Myokarditis in eine chronische übergehen kann. Viele Herzmuskelentzündungen verlaufen symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen. Sie können auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen.

Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden bis zum 30. Juni insgesamt 228 Fälle von Herzmuskelentzündungen in Deutschland gemeldet, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung gegen Covid-19 stehen. Die Mehrzahl der Berichte bezieht sich auf die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna. Dem PEI zufolge hatten die meisten Betroffenen, die sich in ärztliche Behandlung begaben, eine prompte Besserung durch Medikamente und Ruhe.

Guillain-Barré-Syndrom vor allem bei Astrazeneca

Darüber hinaus beobachtet das PEI auch Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (GBS), das als Komplikation von Infektionen und Impfungen auftreten kann. Insgesamt wurden 91 Fälle davon ans PEI gemeldet, wobei die 51 Fälle, die mit größter Sicherheit diagnostiziert wurden, alle in Zusammenhang mit der Gabe von Astrazeneca standen. Doch auch nach Impfungen mit Biontech, Moderna und Johnson & Johnson traten GBS-Fälle auf.

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene Nervenerkrankung, bei der das eigene Immunsystem die Ummantelung der Nervenzellen attackiert. Das typische Symptom ist eine an den Händen oder Füßen beginnende Lähmung und Sensibilitätsstörung, die sich langsam über den gesamten Körper ausbreiten kann. Die meisten Patienten erholen sich vollständig von der Erkrankung, sie kann aber auch tödlich enden.

Todesfälle nach Covid-19-Impfungen

Vereinzelt wurde auch über Todesfälle bei Geimpften berichtet. Bis Ende Mai 2021 verstarben insgesamt 873 Personen im Zeitraum von wenigen Stunden bis zu 40 Tage nach der Impfung, durchschnittlich im Alter von 81 Jahren. Laut PEI bestanden bei der überwiegenden Mehrzahl der verstorbenen Personen multiple Vorerkrankungen, die vermutlich todesursächlich waren. 73 verstarben an Covid-19.

Diese Nebenwirkungen treten bei anderen Schutzimpfungen auf

Dem RKI zufolge haben auch etablierte Impfstoffe Nebenwirkungen. Sie sind oft unangenehm, aber ungefährlich und stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen der Impfung. Wichtig sei, die möglichen Reaktionen genau zu kennen. Ein Überblick über die Nebenwirkungen von schon lange verabreichten Impfstoffen:

Grippe (Influenza)

Die saisonale Grippeimpfung gilt als sehr sicher. Milliardenfach wird sie weltweit verabreicht – die Impfwirksamkeit beträgt etwa 60 bis 70 Prozent. Sie kann aber – wie jede Impfung – eine Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle hervorrufen (bei zehn bis 40 Prozent). Auch Allgemeinsymptome wie Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen treten gelegentlich auf (bei fünf bis zehn Prozent). Schwere allergische Reaktionen wie Anaphylaxie sind sehr selten (bei weniger als einer von 10.000 geimpften Personen).

Masern, Mumps und Röteln

Der Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) wird schon an Kleinkinder verimpft. Die zweifache Masernimpfung verhindert nach Angaben des RKI bei etwa 98 bis 99 Prozent der Geimpften den Ausbruch einer Erkrankung und führt bei ihnen in der Regel zu einem lebenslangen Schutz. Selten gibt es eine lokale Reaktion auf den Stich. Aber eines von zehn Kindern reagiert mit Fieber. Dieses muss kontrolliert werden, da sehr hohes Fieber einen Fieberkrampf zur Folge haben kann (bei einem von 3.000 Kindern).

Pneumokokken

Auch der Pneumokokken-Impfstoff wurde speziell für Säuglinge entwickelt. Es gibt aber auch Mittel für Erwachsene, die von der Ständigen Impfkommission allen Erwachsenen ab einem Alter von 60 Jahren empfohlen werden. Die Pneumokokken-Vakzine weisen eine sehr hohe Wirksamkeit von 95 Prozent auf und gelten als gut verträglich. Als Nebenwirkungen der Impfung werden Fieber und auch Reaktionen wie Schwellung, Schmerzen und Rötung der Einstichstelle beschrieben. Schwere Nebenwirkungen nach der Pneumokokken-Impfung sind sehr selten (bei einem von 100.000 Kindern).

 

Zitat

Neue Studie  

Grippeimpfung verhindert offenbar schwere Covid-19-Verläufe

Auch wenn derzeit die Corona-Impfung in aller Munde ist: Der Piks gegen Grippe kann sich wohl auch auf eine Covid-19-Erkrankung auswirken. Er könnte schwere Krankheitsverläufe abwenden.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeschutzimpfung jedes Jahr Menschen über 60 Jahren, chronisch Kranken oder auch zum Beispiel dem Gesundheits- und Pflegepersonal. Diese Personengruppen wurde auch beim Start der Impfkampagne gegen das Coronavirus priorisiert.

70 Millionen Daten analysiert

Nun zeigt sich: Der Anti-Grippe-Piks könnte auch Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf nach einer Corona-Infektion haben. Forscher der University of Miami analysierten dazu die die anonymisierten Krankendaten von über 70 Millionen Patienten und filterten 37.000 Personen aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Israel, Italien und Singapur heraus. Alle waren an Covid-19 erkrankt.

Gefiltert wurde nach Merkmalen wie ähnliches Alter, ähnlicher sozialer Status, Geschlecht und Vorerkrankungen. Bei den Vorerkrankungen ist bekannt, dass zum Beispiel Diabetes, Übergewicht oder die Lungenerkrankung COPD Einfluss auf die Schwere des Krankheitsverlaufes nehmen und diese Patienten ein höheres Risiko für eine Hospitalisierung (Einweisung ins Krankenhaus) haben.

Risiko für Noteinweisung um 58 Prozent reduziert

Es wurde in zwei Gruppen unterschieden: Die eine hatte mindestens zwei Wochen bis sechs Monate vor der Diagnose einer Corona-Infektion eine Grippeschutzimpfung erhalten. Die andere nicht.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Wer gegen Grippe geimpft war, hatte in den ersten 120 Tagen nach der Corona-Infektion ein geringeres Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Das Risiko, in die Notaufnahme gebracht werden zu müssen, war um 58 Prozent niedriger als bei Ungeimpften. Die Wahrscheinlichkeit, auf der Intensivstation zu landen, war um 20 Prozent gesenkt.

Und auch andere Komplikationen einer Covid-19-Erkrankung waren bei Ungeimpften deutlich häufiger. Das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen im Zusammenhang mit Corona sank bei den Geimpften ebenfalls um 58 Prozent, das für eine Blutvergiftung um 45 Prozent. Das Risiko einer tiefen Venenthrombosen war bei Ungeimpften um 45 Prozent höher.

Andere Studien mit ähnlichen Ergebnissen

Der Zusammenhang zwischen einer Grippeimpfung und einer Auswirkung auf den Covid-19-Krankheitsverlauf wurde schon in anderen Studien nachgewiesen. Eine Analyse der Universität Michigan aus dem Februar kam bereits zu dem Schluss, dass eine Grippeschutzimpfung auch bereits vor der Corona-Infektion schützen kann.

Hier wurden erneut Daten von mehr als 27.000 Patienten gefiltert. Sie waren zwischen März und Juli 2020 auf das Coronavirus getestet worden. 13.000 von ihnen hatten im Vorjahr eine Influenza-Impfung erhalten. 14.000 waren ungeimpft. In der geimpften Gruppe infizierten sich vier Prozent mit dem Coronavirus, bei den Ungeimpften waren es fünf Prozent.

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch niederländische Forscher und Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Auch bei der Michigan-Studie konnte ein positiver Effekt der Grippeschutzimpfung auf die Schwere des Covid-Krankheitsverlaufes nachgewiesen werden.

Der genaue Zusammenhang ist noch unerforscht. Die britische Zeitung "The Guardian" zitiert den Infektionsforscher Peter Openshaw mit den Worten: "Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Grippeimpfung das Immunsystem insgesamt anregt und diese positiven Effekte mit sich bringen kann."

Hoffnung für die armen Länder?

Und noch unter einem anderen Aspekt könnten die Erkenntnisse wichtig sein. Der Grippeschutz könnte in Ländern, in denen bislang kaum Corona-Impfstoff angekommen ist, zu einer Verminderung der schweren Verläufe beitragen.

"Nur ein kleiner Bruchteil der Welt wurde bisher vollständig gegen Covid-19 geimpft", erklärt Dr. Devinder Singh, leitender Autor der Studie aus Miami. Sein Team habe einen Zusammenhang zwischen dem Grippeimpfstoff und einer geringeren Morbidität bei Covid-19-Patienten beobachten können.

"Dieser Befund ist besonders bedeutsam, weil die Pandemie in vielen Teilen der Welt die Ressourcen strapaziert. Daher hat unsere Forschung – wenn sie durch prospektive randomisierte klinische Studien validiert wird – das Potenzial, die weltweite Krankheitslast zu reduzieren."

Kein Ersatz für Corona-Impfung

Seine Kollegin Susan Taghioff ergänzt jedoch: "Trotzdem ist der Grippeimpfstoff kein Ersatz für den Covid-19-Impfstoff und wir setzen uns dafür ein, dass jeder seinen Covid-19-Impfstoff erhält, wenn dies möglich ist."

Zitat

Erst Vektor-, dann mRNA-Impfstoff  

Wie gut schützen Kreuzimpfungen vor Corona-Varianten?

Nachdem die Ständige Impfkommission die sogenannte Kreuzimpfung empfiehlt, sind viele verunsichert. Wann sollten Astrazeneca-Erstgeimpfte sich impfen lassen? Wie sicher ist die Mischimpfung?

Zum Juli hat die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Impfempfehlung für den Impfstoff von Astrazeneca angepasst: Seitdem wird eine Kreuzimpfung nach einem kürzeren Zeitabstand empfohlen. Doch es bleiben einige Fragen offen: Wann sollten Sie sich jetzt zum zweiten Mal gegen Covid-19 impfen lassen und wie läuft die Impfung ab? Warum wurde der Impfabstand verkürzt? Wie sicher ist eine Kreuzimpfung? t-online hat die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was genau empfiehlt die Stiko zu Kreuzimpfungen?

Diejenigen, die bei der ersten Corona-Impfung das Vakzin von Astrazeneca erhalten haben, sollen laut der Empfehlung der Stiko eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten. Also folgt auf Astrazeneca dann Biontech/Pfizer oder auch Moderna. Diese Empfehlung ist, anders als die grundsätzliche Empfehlung für den Impfstoff von Astrazeneca, altersunabhängig.

Die zweite Dosis dieser sogenannten Kreuzimpfung kann demnach bereits nach mindestens vier Wochen gespritzt werden. Es wird allerdings auch darauf hingewiesen, dass eine Zweitimpfung mit Astrazeneca durchgeführt werden sollte, wenn der Impftermin bereits in naher Zukunft ansteht.

Wie sicher und wirksam ist eine Kreuzimpfung?

Kürzlich wurden die Ergebnisse einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) von Professor Dr. Reinhold Förster, Leiter des Instituts für Immunologie, und Professor Dr. Georg Behrens, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, in der Fachzeitschrift "Nature Medicine" veröffentlicht. Die Untersuchung ergab, dass eine Kreuzimpfung wirksamer gegen SARS-CoV-2-Infektionen ist als die zweifache Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff, und dass sie darüber hinaus auch besser gegen Virusvarianten wirkt.

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler Blutproben von 175 Teilnehmern untersucht, von denen ein Drittel zwei Astrazeneca-Dosen und zwei Drittel als zweite Dosis Biontech/Pfizer bekommen haben. "Die Zweitimpfungen mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff führten zu deutlich stärkeren Immunantworten als die Zweitimpfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff", berichtete Förster. Nach der Kreuzimpfung sei ein 11,5-facher Anstieg schützender Antikörper zu sehen, wohingegen die ausschließliche Astrazeneca-Impfung nur zu einem rund dreifachen Anstieg führte.

"Die Wirkung der Kreuzimpfung entsprach insgesamt der von vollständig mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff geimpften Personen", erklärt Behrens. Allerdings befinde sich die Immunantwort auch bei einer ausschließlichen Impfung mit Astrazeneca schon auf einem sehr hohen Niveau und der Impfstoff bleibe sehr wichtig für den Kampf gegen Covid-19.

Wie gut schützt die Kreuzimpfung vor Virusvarianten?

Ein weiterer Vorteil der Kreuzimpfung ist der Studie zufolge, dass sie auch stärker gegen die Virusvarianten Alpha, Beta und Gamma schützt. Bei den ausschließlich mit Astrazeneca Geimpften blieb die Immunantwort hingegen eher schwach. "Wir prüfen nun die Immunantwort auf die Virusvariante Delta", kündigte Förster an. Die ursprünglich in Indien festgestellte Variante verbreitet sich mittlerweile auch in Deutschland und ist deutlich ansteckender als andere Varianten.

Drohen bei einer Kreuzimpfung mehr Nebenwirkungen?

Wie das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt, zeigen Studien, dass Kreuzimpfungen im Vergleich zu reinen Astrazeneca-Impfungen "kurzfristig etwas reaktogener" sind, also für etwas mehr Impfnebenwirkungen sorgen können. Allerdings seien auch diese Reaktionen im Allgemeinen nicht schwer und dauerten in der Regel nur wenige Tage an. Die Studienteilnehmer haben beispielsweise von leichten oder mittelschweren Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Schüttelfrost berichtet.

Fieber ist diesen Studien zufolge bei 34 Prozent der Teilnehmer aufgetreten, die eine Kreuzimpfung bekommen haben. Bei den zweimal mit Astrazeneca Geimpften waren es nur zehn Prozent, bei einer homogenen Impfung mit dem Vakzin von Biontech 21 Prozent.

Wie wird die Empfehlung bei den Hausärzten umgesetzt?

Laut Hausärzteverband ist die Empfehlung mit einem "enormen organisatorischen Aufwand" verbunden. "Meine Medizinischen Fachangestellten haben sich die Ohren wund telefoniert", schildert Jens Wagenknecht aus dem Vorstand des Hausärzteverbands Niedersachsen den Praxisalltag kurz nach der Empfehlung. "Inzwischen konnten wir die allermeisten Patienten mit dem gewünschten Vakzin versorgen. Sofern in den kommenden Wochen genug Impfstoff in die Praxen geliefert wird, ist die Umstellung geglückt."

"In unserer Praxis haben wir den Zeitabstand vor der Zweitimpfung für Astrazeneca-Geimpfte von ursprünglich zwölf Wochen auf sechs Wochen verkürzt", berichtet Wagenknecht. "Am Ende muss aber jeder Hausarzt für sich entscheiden, welcher Abstand des Impfintervalls den meisten Sinn ergibt – medizinisch wie auch organisatorisch. Da kann ich nicht für alle sprechen."

Wirkt sich die Kreuzimpfung darauf aus, wann Sie erneut geimpft werden müssen? 

Den Experten zufolge kann es sein, dass für die sogenannte "Booster"-Impfung bereits gezielt unterschiedliche Impfstoffe zum Einsatz kommen: "Wir müssen jetzt schon darüber nachdenken, wie die Immunitätssituation im Spätsommer und im Herbst sein wird, und anhand dieser Situation muss entschieden werden, welche Gruppen eine dritte Impfung brauchen und mit welchem Impfstoff sie geimpft werden sollen", erklärt Förster.

"Für eine Auffrischungsimpfung könnte gezielt ein anderer Impfstoff genutzt werden – auch um beispielsweise auf neue Mutationen reagieren zu können, die jederzeit auftauchen könnten", ergänzt Behrens.

Viele Hausärzte beklagen Chaos bei den Impfungen: Wie steht der Hausärzteverband zu der Stiko-Empfehlung?

Deutschlandweit hat die Stiko-Empfehlung Hausärzte kalt erwischt, wie der Landesverband Niedersachsen auf t-online-Anfrage mitteilt. Es habe keine vorherige Abstimmung oder Information gegeben – die Praxen und auch der Verband haben von der neuen Empfehlung aus der Presse erfahren.

"Aus medizinischer Sicht ist die Stiko-Empfehlung sicher sinnvoll und daher werden wir sie auch umsetzen", erklärt Jens Wagenknecht. "Dennoch ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung und die Art und Weise der Kommunikation schon ein großes Problem gewesen." Der Impfstoff für die kommende Woche musste bereits am Dienstag bestellt werden – die Empfehlung wurde allerdings am Donnerstag veröffentlicht.

Sollten Sie nach einer Erstimpfung mit einem mRNA-Impfstoff auf Astrazeneca umsteigen, um ebenfalls eine Kreuzimpfung zu bekommen?

Nein, die umgekehrte Reihenfolge der Impfstoffe ist laut Robert Koch-Institut "keinesfalls empfohlen". Der Impfschutz sei dann nicht besser als bei zwei Impfdosen mit Astrazeneca. Zudem sollte auch dabei beachtet werden, dass der Impfstoff Vaxzevria von Astrazeneca erst ab 60 Jahren empfohlen wird.

 

Seite 1 von 3Nächste